ZCO & LONG RANGE SHOOTING
…gehört einfach zusammen!
Inhaltsübersicht Long Range FAQ
Welche Vergrößerung wird bei einem Long Range Zielfernrohr empfohlen?
Was ist das Klickmaß (MIL, MOA) und wie wirkt es sich aus?
Wie wähle ich das richtige Absehen fürs Long Range Schießen?
Was bedeutet Verstellbereich eines Zielfernrohrs und warum ist er wichtig?
Wie stelle ich ein Zielfernrohr richtig auf Null (Einschießen)?
Was sind die wichtigsten Ballistikgrundlagen für Long Range Schützen?
Wie funktioniert die Parallaxe beim Zielfernrohr und wie wird sie eingestellt?
Welche Bedeutung hat der Augenabstand beim Schießen?
Was ist die Austrittspupille und warum spielt sie eine Rolle?
Welche typischen Fehlerquellen gibt es beim Zielen auf große Distanzen?
Wie beeinflussen Wetter- und Sichtverhältnisse das Long Range Schießen?
Wie wird die Höhenverstellung am Zielfernrohr genutzt?
Was ist ein Tracking-Test und wozu dient er?
Was sagt der Streukreis über die Schussleistung aus?
Wie kann man gezielt für Long Range trainieren?
1. Welche Vergrößerung wird bei einem Long Range Zielfernrohr empfohlen?
Für das sportliche Long Range Schießen greift man meist zu Zielfernrohren mit variabler, hoher Vergrößerung. Das erlaubt es, auf weite Entfernungen Details besser zu erkennen. Übliche Bereiche sind etwa 5–25× oder 6–30×. Ein Beispiel: Das ZCO ZC527 bietet 5–27fach, das ZC420 4–20fach und das ZC840 sogar 8–40fach Vergrößerung. Niedrigere Anfangsvergrößerungen (z. B. 4×) sind vorteilhaft für einen weiten Sehbereich (großes Sehfeld) und schnelles Auffassen des Ziels im Nahbereich. Hohe Endvergrößerungen (über 20×) sind dagegen nützlich, um extrem weit entfernte Ziele feiner anzusteuern. Beachten sollte man allerdings: Sehr hohe Vergrößerung kann das Sichtfeld einschränken und Umwelteffekte (wie Hitzeflimmern über dem Lauf oder Bildruckeln bei ungünstigen Halterungen) stärker sichtbar machen. Viele Schützen setzen daher auf flexible Gläser: Die ZCO-Modelle sind so ausgelegt, dass sie bei kleiner Vergrößerung ein sehr großes Feld abdecken (z. B. liefert 4× am ZC420 rund 7 m Sichtfeld auf 100 m) und bei hoher Vergrößerung die Details liefern. Insgesamt gilt: Für Long Range wählt man ein Zielfernrohr mit ausreichend hohem Zoom, aber nicht höher als nötig – oftmals ist ein Bereich bis ca. 25–30× praxisgerecht. Spezielle Top-Modelle wie das ZC840 8–40×56 bieten bis 40×, was extreme Präzision auf sehr große Distanzen ermöglicht. Für Einsteiger und die meisten Anwendungen sind aber auch 4–20× oder 5–25× sehr gut geeignet.
2. Was ist das Klickmaß (MIL, MOA) und wie wirkt es sich aus?
Das Klickmaß beschreibt, um wie viel sich der Treffpunkt ändert, wenn man an den Verstelltürmen des Zielfernrohrs einen Klick dreht. Es wird in Milliradian (MIL) oder Minutenwinkel (MOA) angegeben. 1 MIL-Klick (oder „Milrad“) entspricht bei 100 m Entfernung einer Verschiebung von 1 cm. Das heißt: Dreht man den Höhen- oder Seitenturm um 1 Klick (bei 0,1 MIL pro Klick), verlagert sich der Einschlagspunkt um etwa 1 cm bei 100 m. Bei 300 m sind es entsprechend 3 cm. 1 MOA-Klick ist ungefähr 0,29 cm (1 Zoll) bei 100 m. MIL-Systeme sind in der Long Range Szene sehr verbreitet (oft 0,1 MIL-Klick, also 10 MIL pro Umdrehung), weil sie sich leicht rechnen lassen und gut zu metrischen Einheiten passen. Zielfernrohre wie die ZCO-Serien (ZC420, ZC527, ZC840) haben typischerweise MIL-Türme. Wichtig ist: Man verstellt das Absehen in die Richtung, wo der Schuss hin soll. Liegt der Treffer z. B. zu tief, dreht man den Höhenversteller „up“ (nach oben), um das Absehen höher zu bringen. In der Praxis misst man den Abstand zum Ziel (z. B. Laserentfernungsmesser) und nutzt entweder Rechentabellen oder ein Ballistikprogramm, um die nötigen Klicks abzuschätzen.
3. Wie wähle ich das richtige Absehen fürs Long Range Schießen?
Für Long Range Zielfernrohre wählt man häufig Absehen in der ersten Bildebene (FFP), idealerweise mit MIL-Gitter oder markanten Haltepunkten. In der 1. Bildebene skaliert das Absehen mit der Vergrößerung – bei geringer Vergrößerung ist das Absehen klein, bei hoher Vergrößerung vergrößert es sich mit. Das ist nützlich, weil die Abstandsmarkierungen (z. B. Mil-Dots, mil-Skala oder spezielle Ballistikabsehen) dadurch in allen Zoom-Stufen für die Entfernungs- und Höhenabschätzung korrekt bleiben. Beispiele: Das ZCO ZC527 oder ZC840 kann mit MPCT- oder Tremor-Absehen ausgestattet werden, die mehrere Mil-Ringe oder -Striche enthalten. Diese ermöglichen, Trefferpunkt und Winddrift beim Halten abzulesen. Auch Absehen im MOA-System sind möglich, jedoch weniger gebräuchlich für Long Range, da die Rechnerei mit MOA-Zahlen etwas komplexer ist.
Wichtig ist, dass das Absehen nicht zu dick ist – dünne Fäden verdecken im Zielfernrohr weniger, besonders auf weiten Distanzen. Oft werden für Long Range Absehen mit feinen Zentralkreuzen oder nur einfarbigem Leuchtpunkt in der Mitte kombiniert. Viele moderne Optiken (wie die ZC420/527/840) bieten beleuchtete Haltepunkte („illuminated reticles“) für sehr tiefes Licht, wobei man die Leuchtstärke regeln kann. Zusammengefasst: Ein gutes Long-Range-Absehen ist ein FFP-Absehen mit taktischen Haltepunkten in MIL oder MOA, das mehrere Haltepunkte für Entfernung und Wind bietet, dabei aber den Blick aufs Ziel nicht zu sehr stört.
4. Was bedeutet Verstellbereich eines Zielfernrohrs und warum ist er wichtig?
Der Verstellbereich gibt an, wie weit sich das Absehen in Höhe und Seite insgesamt bewegen lässt – also wie viele MIL oder MOA man durch Drehen am Turm maximal korrigieren kann. Dieser Wert ist entscheidend, damit man genug Reserven für große Entfernungen hat. Beispielsweise bieten die ZCO-Modelle ZC420 und ZC527 jeweils ca. 35 MIL Höhenverstellung, das heißt man kann bis zu 35 Milliradian (entspricht etwa 3,5 Meter Korrektur auf 100 m) hoch- oder runterstellen. Das deckt extreme Schussentfernungen und hohe Geschossabfälle ab, zum Beispiel bei sehr weiten KK-Schüssen oder schwerer Munition.
Wählt man ein Zielfernrohr mit zu kleinem Verstellbereich, könnte bei sehr großer Distanz das Absehen bereits am Anschlag sein, bevor man den Zielpunkt erreicht. Ein weites Verstellfeld ist deshalb für Long Range wichtig, um auch auf mehreren hundert Metern noch fein nachkorrigieren zu können. Achten sollte man auch auf die Teilung der Türme: Hat das Glas 35 MIL Gesamtbereich und 0,1 MIL pro Klick, bedeutet das 350 Klicks insgesamt. Modernes High-End-Gerät (wie ZCO) hat feine, präzise Verstellungen, oft mit in 1 MIL-Schritten sowie Zero-Stop-Option.
5. Wie stelle ich ein Zielfernrohr richtig auf Null (Einschießen)?
Das Einschießen (Auf-Null-Stellen) sorgt dafür, dass Kimme und Korn und Ziel bei einer bestimmten Entfernung (z. B. 100 m) zusammenfallen. Üblich ist: Man legt das Gewehr auf und schießt mehrere Schuss auf eine Zielscheibe in bekannter Distanz. Dabei sollte man mindestens 3–5 Schuss abfeuern, um einen Streukreis zu erkennen. Dann misst man den Versatz der Schusstreffer zur Zielmitte (Höhe und Seite). Beispiel: Der erste Schuss liegt 5 cm links und 3 cm tief. Nun verstellt man die Türme – Hochstellung „UP“ um 3 Klicks (wenn 0,1 MIL/Klick bei 100 m = 1 cm) nach oben, und den Seitenturm um 5 Klicks nach rechts. Dadurch bewegt man das Absehen so, dass die Treffpunktlage in die Zielmitte verschoben wird. Anschließend feuert man zur Kontrolle erneut eine Gruppe. Wiederholt man den Vorgang, bis Treffer und Zielbild bündig sind, ist das Glas auf Null gestellt. Moderne Zielfernrohre (wie ZCO-Modelle) ermöglichen oft das Fixieren der Nullstellung (Zero-Stop), sodass man nach dem Einschießen stets präzise zur Null zurückdrehen kann.
Zusammengefasst: Ziel ins Zentrum nehmen, schießen, Abweichung messen, dann durch Höhen- und Seitenversteller in Richtung der Abweichung korrigieren. Lieber erst eine kleine Gruppe schießen (Vorreinigung des Laufs, etwa 5 Schuss) und erst danach präzise einstellen, statt mit dem allerersten Schuss das Glas zu verstellen.
6. Was sind die wichtigsten Ballistikgrundlagen für Long Range Schützen?
Die Ballistikgrundlagen umfassen die Flugbahn und Verhaltensweisen des Geschosses nach dem Verlassen des Laufs. Ein Schütze sollte verstehen, dass ein Projektil nicht geradeaus fliegt: Es fällt durch die Schwerkraft und wird durch den Luftwiderstand abgebremst. Entscheidend sind:
Geschossgeschwindigkeit (V0): Startgeschwindigkeit am Lauf. Je höher sie, desto gerader und flacher die Flugbahn (weniger Fall über gleiche Distanz) und kürzere Flugzeit.
Ballistischer Koeffizient (BC): Maß dafür, wie wind- und luftdichteabhängig das Geschoss stabilisiert wird. Ein hoher BC bedeutet, das Geschoss behält seine Geschwindigkeit und Energie besser und driftet weniger.
Schwerkraft und Flugbahn: Über 100 m fällt ein Geschoss typischerweise mehrere Zentimeter bis Dezimeter, über 1000 m mehrere Meter. Man berechnet mit Hilfe von Ballistik-Tabellen oder -Apps den Abfall (Drop) bei jeder Entfernung.
Winddrift: Seitenwind versetzt das Geschoss zur Seite. Die Abweichung hängt ab vom Winkel und Stärke des Windes, Geschossgeschwindigkeit und -form. Erfahrung oder Tabellen helfen, Windkorrekturen per Haltepunkt (Hold) oder durch Klicken vorzunehmen.
Umweltfaktoren: Luftdichte, Luftdruck, Temperatur und Höhenlage beeinflussen Flugbahn. Dünne Luft (hohe Höhe, tiefer Luftdruck) lässt das Geschoss weiter und flacher fliegen, dichte Luft (Meeresspiegel, feucht) erhöht den Widerstand. Long Range Schützen messen daher Umweltwerte (z. B. mit Kestrel) und passen die Berechnung an.
Transonischer Bereich: Wenn das Geschoss vom Überschall in den Unterschallbereich übergeht (ca. 300 m/s), kann die Flugbahn erneut leicht abfallen. Auf sehr extreme Distanzen muss man diesen Effekt kennen.
Praxis: Man nutzt einen Laser-Entfernungsmesser und Ballistikprogramme oder Tabellen, um für bekannte Distanz und Munition die nötige Höhenkorrektur (in Klicks oder Haltepunkten) zu ermitteln. Drückt man auf weite Distanz ab, rechnet man also vorher aus, um wie viele Klicks man den Höhenversteller drehen oder um welchen Milliradian man das Haltepunkt-Absehen nutzen muss, damit das Geschoss Ziel trifft. Long Range erfordert also neben Technik auch eine gewisse “Ballistikkenntnis” – besonders ein Gefühl für Wind, richtige Einschätzung der Lage und die Werte des verwendeten Geschosses.
7. Wie funktioniert die Parallaxe beim Zielfernrohr und wie wird sie eingestellt?
Parallaxe beschreibt einen Scheinfehler: Wenn Auge, Absehen und Zielbild nicht auf einer Ebene liegen, kann das Absehen scheinbar am Ziel vorbeiwandern, wenn man mit dem Auge minimal seine Blickposition verändert. Bei einem Zielfernrohr mit Parallaxenausgleich (meist seitlich oder über ein Objektivdrehglied) lässt sich dieser Fehler korrigieren.
So stellt man die Parallaxe richtig ein: Zuerst sollte die Dioptrieneinstellung (am Okular) passend für das eigene Auge justiert sein (Absehen dabei scharf einstellen). Dann richtet man das Ziel an (in maximaler Vergrößerung für Präzision) und dreht den Parallaxenausgleichsring, bis das Ziel scharf erscheint – normalerweise bei der Distanz des Ziels. Optimal ist, wenn Absehen und Zielbild auf einer optischen Ebene liegen. Um zu prüfen, ob die Parallaxe beseitigt ist, bewegt man minimal den Kopf nach links/rechts: Wenn das Absehen dann ruhig auf dem Ziel verharrt, ist die Parallaxe korrekt eingestellt.
Beim Long Range Schießen ist das besonders wichtig, weil schon kleine Blickwinkeländerungen bei großen Distanzen zu Zentimeter-Abweichungen führen können. Moderne Zielfernrohre wie die ZCO-Modelle sind oft ab Werk ab einer bestimmten Distanz (z. B. 100 m) parallaxefrei voreingestellt. Der Parallaxenausgleichsring trägt oft Entfernungsmarkierungen (von einigen Dutzend Metern bis ∞). Durch gute Einstellung stellt man sicher, dass das Absehen beim Zielen nicht „wandert“ – so bleibt der Treffpunkt zuverlässig.
8. Welche Bedeutung hat der Augenabstand beim Schießen?
Der Augenabstand (oder Augenkomfortabstand) ist der Abstand zwischen Auge und Okularlinse des Zielfernrohrs, bei dem man das vollständige Bild ohne Abschattung sieht. Ein guter Augenabstand sorgt dafür, dass man schnell aufs Ziel findet, ein weites, vollständiges Sichtfeld hat und vor allem sicher bleibt: Beim Rückstoß darf sich das Auge nicht so nahe ins Okular einknallen.
Bei hochwertigen Optiken (z. B. Jagdzielfernrohren) beträgt dieser Abstand oft mindestens etwa 90 mm. Das bedeutet: Mit der Wange sauber am Schaft sollte das Auge so 9 cm hinter der hintersten Linse ruhen. ZCO-Zielfernrohre bieten ebenfalls einen komfortablen Augenabstand, der ein angenehmes Anschlagen ermöglicht. Fällt der Abstand zu klein aus (z. B. bei manchen Weitschussgläsern geringer), erlebt man beim Schuss einen starken Rückstoß in Gesicht oder Augenhöhle – gefährlich! Ist der Abstand zu groß, sieht man nur einen Teil des Bildes (tunnelblickartig). Deshalb sollte man das Glas so montieren und die Position finden, dass der angegebene Augenabstand ideal eingehalten wird. Ein ruhiger, korrekter Anschlag und öfteres Einüben der richtigen Haltung beim Schießen hilft dabei, den Augenabstand konsequent zu nutzen.
9. Was ist die Austrittspupille und warum spielt sie eine Rolle?
Die Austrittspupille eines Zielfernrohrs ist der Durchmesser des Lichtkegels, der ins Auge des Schützen tritt. Man berechnet sie, indem man den Objektivdurchmesser durch die Vergrößerung teilt. Beispiel: Ein 56-mm-Objektiv bei 8fach ergibt 7 mm Austrittspupille. Ein großer Austrittspupillen-Durchmesser bedeutet mehr Licht am Auge und damit helleres, komfortableres Bild, besonders bei Dämmerung.
Beim Long Range Schießen im Hellen fällt sie oft weniger ins Gewicht, da das menschliche Auge ohnehin kleiner als die Austrittspupille wird (bei Tageslicht ~2–3 mm). Bei schwachem Licht (Morgen/Dämmerung) zahlt sich eine möglichst große Austrittspupille aus. Zielfernrohre wie das ZC527 5–27×56 haben bei niedrigster Vergrößerung sehr große Austrittspupille (bis 11,2 mm bei 5×), was das Zielen erleichtert. Bei 27× schrumpft sie auf etwa 2,1 mm, was im Hellen noch ok ist, aber in der Dunkelheit schon recht knapp ist. Deshalb nimmt man für extreme Dunkelheit üblicherweise ein Glas mit größerem Objektiv oder eine niedrigere Endvergrößerung.
Wichtig ist auch: Liegt der Austrittspupillen-Durchmesser deutlich unter der maximalen Erweiterung der eigenen Augenpupille (etwa 5–7 mm), geht bei wenig Licht Bildhelligkeit ungenutzt verloren. Im Gegensatz dazu ermöglicht eine sehr große Austrittspupille entspannteres Zielen beim häufigen Ein- und Ausklinken (man landet nicht so leicht neben der Pupille). Zusammengefasst: Die Austrittspupille bestimmt die Helligkeit und den Komfort. Für präzises Long-Range-Zielen achtet man darauf, dass bei der gewählten Vergrößerung eine ausreichend große Austrittspupille erhalten bleibt – vor allem für Dämmerungsschüsse.
10. Welche typischen Fehlerquellen gibt es beim Zielen auf große Distanzen?
Beim Long-Range-Schießen gibt es viele Fehlerquellen, die den Treffer beeinträchtigen können. Einige häufige sind:
Schützenfehler: Unsauberes Auflegen oder Halten, ungleichmäßiges Atmen, (zu) starker Abzugsdruck oder Trigger-Zucken. Selbst kleine Wackler oder Schonung im Anschlag führen bei hoher Vergrößerung zu deutlichen Treffpunktabweichungen.
Scope-Fehler: Parallaxefehler (wenn Parallaxe nicht korrekt eingestellt ist), falsch eingestellter Augenabstand (Abschattung), nicht eingestellter Dioptrie oder verschmutztes Glas können die Sicht und Präzision stören. Auch ein verschränkter oder gekippter Zielfernrohr-Tubus (Montagefehler) führt zu Treffpunktfehlern.
Wind- und Umweltfaktoren: Winddreher oder Böen werden falsch eingeschätzt. Über langen Flugweg kann Wind das Geschoss stark ablenken. Temperaturwechsel, Luftfeuchtigkeit oder Höhenlagen können die Flugbahn verändern (siehe Ballistik). Wärmeflimmern („Hitze-Spiegelung“ über dem Boden oder Lauf) kann das Zielbild verzerren.
Optik-Fehler: Manche billige oder beschädigte Gläser können in Vergrößerung schlieren zeigen oder das Absehen verschieben. Auch das Verstellen der Türme unter Last (z. B. ohne Zero-Stop zur Null zurücknavigieren) kann Fehler einführen. Hochwertige Modelle wie die ZCO ZC-Serie minimieren mechanische Nachgiebigkeit, aber auch hier sollte man nach Montage und vor dem Schießen überprüfen, ob die Absehenmitte wirklich zentrisch bleibt.
Ausrüstungsfehler: Lose Schrauben, ungleichmäßiges Anziehen der Ringe oder Instabilität am Zweibein machen gerade bei jedem Schuss die Lage leicht anders. Ebenso kann falsche Munition (BC schwankt), fehlerhafte Ballistikdaten oder verkantete Riemen- oder Anschlagsposition (Kippmoment) zu Fehlschüssen führen.
Die Lösung: Sorgfältige Kontrolle (z. B. Tracking-Test des ZF, Festziehen aller Teile), langsames, konzentriertes Schießen, regelmäßiges Überprüfen des Zielbildes (Windlesen, Parallaxencheck) und viel Training, um Routine zu entwickeln. Mit der Zeit lernt man, solche Fehlerquellen zu erkennen und auszuschließen.
11. Wie beeinflussen Wetter- und Sichtverhältnisse das Long Range Schießen?
Die Sicht- und Wetterbedingungen auf große Distanz können den Schuss erheblich beeinflussen. Wichtige Faktoren sind:
Lichtverhältnisse: Tiefer Sonnenstand (Abend/Früh) oder Gegenlicht können Kontrast und Sicht verschlechtern. Sehr helle Sonne kann Polarisationsblenden erfordern, tiefe Dämmerung oder Nebel reduzieren die Schärfe. Auch die Augen des Schützen ermüden bei wenig Licht schneller.
Luftunruhe (Luftspiegelung): Wenn Luftschichten unterschiedlicher Temperatur aufsteigen (z. B. heiße Luft über dem Boden an sonnigen Tagen), „flimmert“ das Ziel. In der Optik kann das wie Wellen aussehen und das visuelle Zielen erschweren. Gerade bei hoher Vergrößerung wird das stärker sichtbar. Ein erhöhter Standpunkt oder Warten, bis die Hitze flacht, hilft.
Wind: Turbulenter oder böiger Wind (z. B. im Talgrund oder über Feldern) kann ungleichmäßig aufs Geschoss einwirken. Ein klassisches Problem: 90-Grad-Seitenwind korrigiert man anders als drehtiger Schrägwind. Schützen lernen, Bodensignale (Bäume, Rauch) zu lesen und im Windwerkzeug die Richtung zu ändern.
Refraktion und Wetter: Starke Temperaturunterschiede oder Feuchtigkeit können den Lichtstrahl leicht brechen. Auch Nebel oder Dunst dämpfen das Bild. Auf extreme Distanzen (ab einige hundert Meter) kann das Geschoß durch veränderte Luftdichte geringfügig mehr oder weniger fallen. Langstreckenschützen beachten deshalb Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und also den Dichteschuss, um präzise korrigieren zu können.
Umgebungs- und Geländeeinflüsse: Spiegelnde Schneefelder oder Wasserflächen hinterm Ziel können verwirren. Wälder dämpfen Wind plötzlich. Ein erfahrener Schütze beobachtet stets das Umfeld – Sonneneinfall, sich bewegende Schatten, die Bodenbeschaffenheit – und passt seine Schussstrategie an.
Kurzum: Klare Sicht, gutes Licht und ruhige Luft sind ideale Bedingungen. Da diese aber nicht immer gegeben sind, muss man lernen, Rücksicht darauf zu nehmen: Das Zielbild ruhig abwarten, Windwechsel durch Beobachtung antizipieren und ggf. warten oder unmittelbar danach schießen, und die Zielfernrohr-Einstellungen (Helligkeit, Kontrast) optimal anpassen.
12. Wie wird die Höhenverstellung am Zielfernrohr genutzt?
Die Höhenverstellung (Elevation) ist der Verstellturm, mit dem man den Treffpunkt vertikal verschiebt – also für hoch oder tief stehende Schüsse. Praktisch verwendet man sie so: Wenn der Schuss zu niedrig ankam (Treffer unter dem Ziel), dreht man den Höhenversteller nach „UP“ (nach oben), um das Absehen höher zu bringen. Wenn der Schuss zu hoch kam, stellt man nach „DOWN“.
Im Long Range Bereich kommt oft zweistufige Korrektur zum Einsatz:
Nullpunkt festlegen: Üblicherweise stellt man das Glas auf Null bei einer bestimmten Distanz (z. B. 100 m). Dann kann man den Höhenversteller auch abschließend sperren oder markiert zurück auf Null drehen (Zero-Stop).
Distanzeinstellungen: Für weitere Entfernungen dreht man einfach entsprechend die Höhenverstellung. Jeder Klick bewegt bekannt wieviel – z. B. 1 Klick = 1 cm/100 m bei 0,1 MIL. Viele Schützen notieren oder merken sich, dass z. B. 10 Klicks auf 100 m einen Treffer um 10 cm hoch bewegen, auf 300 m um 30 cm. Hat man die Werte einmal ermittelt, kann man sie schnell nachjustieren.
Blind vs. Haltepunkt: Alternativ zum Drehen gibt es die Methode des Holdovers: Man behält den Nullpunkt im Turm und nutzt stattdessen die Haltepunkte im Absehen (wie Mil-Striche) für spätere Distanzen. Moderne Zielfernrohre wie ZCO haben meist feste (nicht nach oben drehende) Türme, sodass man zum Halten oft praktischer arbeitet. Möchte man jedoch exakte Justierung, dreht man.
In jedem Fall sollte man vor einem wichtigen Schuss sicherstellen, dass die Nullstellung bekannt und zugänglich ist (z. B. durch eine Nullstop-Mechanik). Beim Zielen auf verschiedene Distanzen kann man dann entweder die Höhenverstellung neu setzen oder die passenden Absehenticks (Mil-Klicks) nutzen. Wichtig ist, dass man sich bei jedem Schuss klar macht: Wie viele Klicks oder Haltepunkte korrigieren jetzt für die gegebene Entfernung.
13. Was ist ein Tracking-Test und wozu dient er?
Ein Tracking-Test überprüft die Genauigkeit und Wiederholgenauigkeit der Türme eines Zielfernrohrs. Das Ziel ist, sicherzustellen, dass jedes Klicken die erwartete Änderung bewirkt. Beim Test wird geprüft:
Klickmaß-Korrektheit: Entspricht der tatsächliche Versatz pro Klick dem Herstellerwert? Z. B. 0,1 MIL pro Klick.
Turmwiederholbarkeit: Bringt derselbe Satz an Klicks immer den gleichen Treffpunkt? Das bedeutet, man schlägt den Höhenversteller zum Beispiel 10 MIL hoch und zurück und kontrolliert, ob das Absehen immer wieder exakt zum Nullpunkt zurückkehrt.
Montageausrichtung: Das Absehen muss ohne Verkantung auf- und absteigen (kein Versatz durch schiefe Montage).
Durchführung: Oft legt man eine Zielscheibe in kurzer Entfernung (z. B. 100 m) an, schießt ein paar Schuss zur Kontrolle, dreht den Höhenversteller z. B. um einen bestimmten Betrag (z. B. 5 MIL) und schießt erneut. Die Treffer sollten entsprechend verschoben sein. Dreht man zurück, muss das Absehen die ursprüngliche Mitte wieder treffen (nach Festhalten der Türme). Wenn das nicht exakt passiert, kann das Glas ungenau sein. Hochwertige Gläser wie ZCO bestehen Tracking-Tests in der Regel problemlos, doch als Anwender sollte man einen solchen Test nach Kauf oder vor kritischen Einsätzen durchführen. Moderne Tools wie Kollimatoren oder spezialisierte Vorrichtungen (Aimpoint-Scopes) können Tracking vereinfachen, aber auch einfaches Schießen mit sorgfältiger Auswertung reicht im Hobbybereich oft aus. Ein gutes Tracking bedeutet mehr Zuverlässigkeit: Man weiß, dass jede Einstellung wirklich das Geschoss so versetzt, wie man es annimmt.
14. Was sagt der Streukreis über die Schussleistung aus?
Der Streukreis (oft in MOA oder Zentimetern angegeben) misst die Präzision einer Waffe/Munition-Kombination: Er ist der Kreis, der alle Treffer einer Gruppe umfasst. Ein kleiner Streukreis bedeutet hohe Präzision (geringe Streuung). Üblicherweise schießt man dazu mehrere Schuss (z.B. 3–5 Schuss) auf ein Ziel und ermittelt den Durchmesser oder die Breite der so entstandenen Gruppe.
Eine Faustregel: 1 MOA entspricht etwa 2,9 cm auf 100 m. Hat man etwa 5 cm Streuung auf 100 m, entspricht das grob 1,7 MOA (5 cm ÷ 2,9 cm). Herausragende Präzision ist unter 1 MOA (z. B. 3 cm oder weniger bei 100 m). In der ZF-Praxis gilt: bis 1 MOA ist eine Waffe wirklich präzise; unter 0,5 MOA (ca. 1,5 cm/100 m) sprechen Schützen von sehr hoher Match-Qualität.
Der Streukreis hängt von vielen Faktoren ab: Abzug, Munition, Lauf, Schützenhaltung, Witterung. Ein Streukreis-Test kann aufzeigen, ob Probleme vom Schützen (Griff, Atmung, Anschlag) oder vom Gerät kommen. Auch Zielfernrohre können geringfügig zur Streuung beitragen (z. B. durch Parallaxeschwankungen), aber Hauptsächlich kommt es auf Waffe und Munition an. Dennoch: Ein qualitativ gutes Zielfernrohr hilft, die volle Präzision auszunutzen. Große Zielfernrohre wie das ZC840 verdecken etwa beim Einschießen nur wenig vom Ziel, sodass man präziser schießen kann.
15. Wie kann man gezielt für Long Range trainieren?
Effektives Long-Range-Training besteht aus mehreren Bausteinen:
Grundtechnik üben: Wiederhole regelmäßig das stabile Auflegen, den Anschlag mit entspannter Schulter/Nacken, kontrollierte Atmung und sanften Abzug (Trockenübungen ohne Munition). Gerade in Sitz- oder liegender Position (je nach Gewehr) sollte man das Halten des Fadenkreuzes gefestigt haben, bevor man auf Distanz trainiert.
Schießstand-Training: Schieße auf bekannte Distanzen (100, 200, 300 m usw.) und arbeite schrittweise weiter weg. Übe gezielt das Einschätzen von Treffern und eigenes Nachstellen des Zielfernrohrs. Mache dabei auch viele Serien, um das Streuverhalten kennenzulernen. Danach analysiere Gruppengröße (Streukreise) und passe Technik oder Ausrüstung an, falls nötig.
Ballistik-Kenntnisse vertiefen: Arbeite mit einem Ballistikrechner oder -buch, um Schussdaten (Munition, Geschwindigkeit, BC) zu verstehen. Übe das Abschätzen von Wind (Loben am Boden, Beobachten von Referenz-Zielen) und entsprechenden Halten. Schreibe deine Werte auf (z.B. wie viele MIL man für eine bestimmte Windgeschwindigkeit braucht) und überprüfe sie in der Praxis.
Parallaxen- und Zero-Prüfung: Stelle sicher, dass du beim Training immer korrekt nullst und die Parallaxe einstellst. Lerne, Ziel und Absehen zu fokussieren – Fehler beim Parallaxenausgleich sollten im Training erkannt werden.
Spezialübungen: Mach sogenannte “Speed-Drills” (Schnellschüsse) für Alltagssituationen, aber auch “Long Hold” (längere Zielbeobachtung bei starkem Wind). Trainiere verschiedene Positionen (liegend, sitzend, kniend) sowie Positionswechsel mit der Waffe.
Mentales Training: Long Range erfordert Geduld und Konzentration. Simuliere äußere Störungen (zum Beispiel Rauschen, Begrenzungsgeräusche) und bleibe beim Drücken des Abzugs konzentriert. Ein Drill kann sein, nach dem Zielen ein paar Sekunden bewusst ruhig weiterzuatmen statt abzudrücken, um den instinktiven Drang zu überwinden und gezielt loszulassen.
Wettkampfpraxis: Nimm an Wettbewerben oder Matches teil, auch auf 300–1000 m, oder veranstalte Übungen mit Freunden („PRS-Style“-Distanzen). Das bringt Erfahrung mit Zeitdruck und wechselnden Bedingungen.
Letztlich gilt: Regelmäßiges und systematisches Training bringt die größten Fortschritte. Nutze die Kombination aus Trockenübungen für die Technik, und warme Munition auf der Schießbahn zur Distanz. Dokumentiere deine Ergebnisse (Trefferlage, Streukreise, Korrekturen) und lerne daraus. Mit jeder Übung gewinnst du mehr Routine im Umgang mit deinem Zielfernrohr (z. B. den ZCO ZC420/ZC527/ZC840), deiner Waffe und den Ballistikdaten – und wirst zum sicheren Long-Range-Schützen.